Ein mächtiger Findling aus der Großen Heide

Vor 124 Jahren kam der Stein ins Dorf – Fundstelle heute noch erkennbar

Das Ehrenmal, das auf dem Gelände an der Kirche an die gefallenen Soldaten des Ersten und des Zweiten Weltkrieges erinnert, wird von einem mächtigen Findling markiert. Dieser Stein wurde vor 124 Jahren aus der Großen Heide, im Dreieck zwischen Resse, Wiechendorf und Schadehop gelegen, mit Manneskraft und Pferdestärken nach Brelingen transportiert. Die Fundstelle ist noch heute in einem Waldstück erkennbar.

Helmut Thoms, der 87-jährige Brelinger, kennt die Stelle genau, an der der mächtige Stein 1922 ausgegraben wurde. Lisa Honemann aus Schadehop hatte ihm zu ihren Lebzeiten die Stelle gezeigt, die heute von großen Kiefern, einem Wald, umgeben ist. Thoms, der die Stelle schon mehrmals mit dem Brelinger Frank Nagel per Fahrrad angesteuert hatte, nahm dieses Mal auch Friedrich Bernstorf mit, der bei seinen Dorfführungen die Geschichte des Findlings erzählt.

Der Findling ragte in der damals überwiegend von Heide bewachsenen Landschaft etwa zur Hälfte aus der Erde, als sich 26 Männer früh morgens im Mai 1922 an die Arbeit machten und den Stein ausgruben. Bis zum Abend gelang es ihnen, den in der letzten Eiszeit hierher transportierten Granit auf einen Leiterwagen, deren schmale Holzräder mit Eisenringen beschlagen waren, zu verladen.

Vermutlich sind es bis zu 15 Tonnen, die dieser Stein wiegt. Zuviel für die schmalen Räder des Holztransportwagens des Sägewerkes Bohm. Die Räder sanken tief in den Heideboden ein. Die zehn Pferde und 30 Männer schafften am zweiten Tag nur 400 Meter der insgesamt etwa fünf Kilometer langen Strecke bis Brelingen. Am dritten Tag halfen unter die Räder gelegte Holzbohlen. Nun ging es deutlich voran. Zur Mittagszeit wurde die von Wiechendorf nach Brelingen führende Straße erreicht. Sie hatte einen festen Untergrund. So schaffen es die vielen Helfer aus dem Dorf bis zum Abend, den Stein nach Brelingen zu transportieren.

Der frühere Lehrer und Heimatchronist Martin Müller hat in seinem Buch „Das 1000-jährige Brelingen“ die Geschichte rund um den Findlingstransport ausführlich geschildert. Er schrieb auch, dass am Rand der Erdmulde, die durch das Ausgraben des Steines entstanden war, damals zur Markierung eine Birke gepflanzt wurde. Einmal jährlich im Mai machten sich die Brelinger Lehrer und Schulkinder auf den Weg in die Große Heide, um den Fundort des Steines zu besuchen. So wurden Geschichte und Fundort überliefert und an die folgenden Generationen weitergegeben.

Das Ehrenmal in Brelingen wurde 1924 eingeweiht und ist alljährlich am Volkstrauertag im November der Ort zum gemeinsamen Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung. Für die Pflege des Ehrenmals sorgt seit vielen Jahren die Soldatenkameradschaft Brelingen.

 

 

 

 BU 1a: Helmut Thoms (rechts) steht an der vor über 100 Jahren gepflanzten Birke, Frank Nagel in der Mulde, die der Findling hinterlassen hat.

 

BU 2a: Der mächtige Findling, der heute das Ehrenmal an der Kirche bildet, wurde vor über 100 Jahren aus der Großen Heide nach Brelingen transportiert.

Fotos: Friedrich Bernstorf